Beim Ball des FC Chammünster glänzten das Minstacher Prinzenpaar, die Garde und die Hofräte
CHAMMÜNSTER
(chi). Rumba und Cha-cha-cha, Zwiefacher und Wiener Walzer - "Emil und Fred"
hatten ihr Musikprogramm überlegt auf die Anforderungen des
FC-Faschingsballs am Samstag im Gasthaus "Ödenturm" eingestellt. Denn einmal
waren "karibische Nächte" angesagt, die sich aber vor allem mexikanisch
präsentierten, wobei aber auch braungebrannte Hulamädchen oder gelbliche
Chinesen zu sehen waren, zum andern musste beim Prinzenwalzer des Minstacher
Faschingsprinzenpaares natürlich ein Walzer gespielt werden und besonders
die tanzkundigen Waldlerinnen lieben auch mal einen Zwiefachen oder einen
Dreher zwischendrin. So war zumindest musikalisch für jeden Geschmack etwas
geboten.
Der eigentliche Höhepunkt des Balls des FC Chammünster ist aber seit Jahren
der Auftritt der Minstacher Faschingsgesellschaft, den FC-Vorsitzender Franz
Schneider nach seiner Begrüßung der Gäste ankündigte. Zuerst kam einmal der
Präsident der Gesellschaft, Christian Schnur, dankte dem FC dafür, dass
seine Leute beim Ball ihre große Schau aufziehen können und ließ dann den
Hofmarschall Michael Hilpl mit seinen Hofräten unter dem Schlachtruf "Minsta
- helauuu" in den Saal einmarschieren.
Und während sich die Hofräte kurzfristig wieder verzogen, drehte das
Minstacher Faschingsprinzenpaar Dominik I. und Stefanie II. - sie im
weinrot-silberfarbenen Prunkgewand, er mit silber-blauem Umhang - unter dem
Jubel der Ballbesucher und gnädig winkend eine Saalrunde, bevor Prinz
Dominik seine Thronrede verlas, in der er sich und den andern einen
gaudivollen Fasching wünschte.
Doch dann wurde es ernst und Dominik I. und seine Stefanie II. nahmen
Aufstellung zum Prinzenwalzer. Nicht spektakulär war der Tanz, eher
"prinzenfreundlich", enthielt aber einige nette Figuren, wobei beim
Durchdreher dem Prinzen fast die Kappe vom Kopf gezogen wurde. Auf jeden
Fall brachten die beiden gekonnt dieses schwierige Unterfangen, bei dem
hunderte von Augen jeden einzelnen Schritt kritisch beäugen, über die Bühne
und ernteten dafür zu Recht stürmischen Applaus. Da konnte die Prinzengarde
aus den elf jungen Damen nur nachziehen. Im klassischen Gardegewand mit
Dreispitz und kurzen Tanzröckchen in Weiß-Blau zogen sie strahlend und
winkend herein und ließen dann ihre Beine beim Tanz fliegen, sanken in
Wellen zu Boden oder bildeten zum Schluss eine "Gardemädchen-Torte".

Die Augen der Zuschauer glänzten da vor so viel Eleganz und Anmut, aber auch
Temperament.
Und dabei war das noch nicht alles, denn nach einer Umzieh-Pause wurde es
lateinamerikanisch. Zunächst stolzierte Prinzessin Stefanie II. in den Saal,
im engen schwarzen Kleid mit feuerrotem Schal und eben solcher Blume im
Haar, und legte eine Art Flamenco aufs Parkett, ehe sie sich auf einem Stuhl
niederließ.
Sie musste nicht lange warten und schon kam ihr Macho herein geschlendert,
kippte noch schnell einen Tequila runter, damit das Männchenverhalten noch
eindeutiger wurde, schnippte einmal kurz mit den Fingern Richtung Dame und
schon ging's mittelamerikanisch rund auf den Tanzdielen. Er blieb dabei
immer der Coole, während sie sich an ihn anschmiegte und ihn anhimmelte.
Nach diesem eher romantischen Auftakt wurde es temperamentvoller, als die
Gardemädchen auf die Tanzfläche getänzelt kamen. Eine Art Tarantella tanzten
sie mit Schwung und Harmonie und die Zugaberufe des Publikums am Schluss
zeigten, dass der Tanz gefallen hatte. Aber schließlich kamen ja noch die
Männer. Ein bisschen schwankend kamen sie in einer langen Reihe herein, den
bunten Poncho über den Schultern, den riesigen Sombrero noch lässig auf dem
Rücken baumelnd. Den folgenden Tanz kann man nicht beschreiben, den muss man
gesehen haben, jedenfalls wurden die Zuschauer zu Beifallsstürmen
hingerissen. Besonders auch beim zweiten Teil, als es um das diesjährige
Kultgetränk des Minstacher Faschings ging, den Tequila. Da waren die
muchachos in ihrem Element, da kennen sie sich aus. Und weil dem so ist, da
ließen sie sich zu einer Zugabe nicht zweimal bitten. Für derlei
künstlerischen Hochgenuss hatte FC-Vorsitzender Franz Schneider eines seiner
berühmten Gedichte verfasst und überreichte an die Beteiligten je eine Rose.
Besonders lobte er auch die Choreographin Katrin Schießl für die gekonnte
Einstudierung der Tänze.
Doch
danach ging es wieder gesitteter zu beim Ball des FC Chammünster, ja sogar
wissenschaftlich. Denn der Toni Kollmer hat bei sich "So-laar-Zellen"
entdeckt. Sechs kleine Schnapsflascherl hatte er als Notreserve im
Hosenträger deponiert, doch die wurden von den "Silberweibern aus dem
dunklen Wald", genauer aus der FC-Turnabteilung, ausgesaugt, sagt der Toni.
Auf jeden Fall waren diese Fläschchen jetzt "so laar", also echte "So-laar-Zellen".
Der Toni hat's verkraftet, weil er ja nicht in der mexikanischen Wüste war,
sondern im heimischen Wirtshaus, direkt an der Bierquelle. Die andere Quelle
für Flüssiges war schwerer zu erreichen, denn vor der Kellerbar war fast den
ganzen Abend ein dicker Pulk von Steh-Gästen, durch den man kaum an die
Theke vordringen konnte. Drinnen schwitzten derweil die Fußball-Damen beim
Ausschank und sorgten damit für einen vermutlich guten Umsatz
.
So ging es noch lange weiter beim Ball des FC Chammünster und der Auftritt der Faschingsgesellschaft machte Lust auf die nächste Vorstellung am Faschingssonntag nach dem Faschingszug in der Hinterederhalle.




