„Wir haben den Minstachern eine
Aufgabe gestellt, die net leicht ist. Aber sie werden sie lösen können“, zeigte sich Heribert Irrgang, Vorsitzender des FC Chamerau, am Freitagabend überzeugt,
dass die Mitglieder des FC Chammünster, die nach Chamerau gekommen waren, um den dortigen FC um die Übernahme des Patenamtes fürs Jubiläumsfest Mitte Juli (15. bis
18.) zu bitten, die außergewöhnliche Hürde für den Bittsteller erfüllen können. Und sie taten es bravourös und feierten danach mit den alten Freunden des neuen
Patenvereins noch lange im Vereinsheim des FC Chamerau auf der Regeninsel.
Sie sind ja keine Unbekannten füreinander, die FCler aus Chamerau und Chammünster, haben sie ja früher oft bei den jeweiligen Pokalturnieren miteinander
gewetteifert und heute spielen die jugendlichen Fußballer in etlichen Spielgemeinschaften miteinander. So war es auch nicht verwunderlich, dass von beiden Vereinen
eine große Zahl Mitglieder beim Feuerwehrhaus in Chamerau zusammenkam, um von dort zur Musik der „rudL-Blech-Blosn“ durchs Dorf auf die Regeninsel zum
Chamerauer FC-Vereinsheim zu ziehen. Dass das nicht ganz ohne Hindernisse für die Minstacher abging, war vorauszuahnen und eigentlich selbstverständlich,
schließlich wollten sie ja von den Chamerauern die Zusage zur Patenschaftsübernahme erlangen und mussten dafür auch etwas tun.
So verließ der Sportler-Festzug den „rechten Weg“ und bog in den Park am Regenufer ab, wo die Chamerauer aus einem Häuserl flüssige Wegzehrung für die
Marschierer zauberten, aber dann auch ankündigten, dass hier das Ende des Weges zur Patenschaftsübernahme gekommen sei, wenn es den Minstachern nicht gelinge, eine
schwierige Aufgabe zu lösen. Doch vorher erklärte Festleiter Erich Babl noch mit einem Gedicht, warum die Minstacher heute zum FC Chamerau gekommen sind und warum
sie akkurat diesen Verein als Paten auserkoren haben.
Bürgermeister Stefan Baumgartner, der sich die Gaudi natürlich nicht entgehen lassen wollte und daher als Moderator der folgenden Unternehmung fungierte, erzählte
was von einer vom Hochwasser weggeschwemmten Brücke zum Vereinsheim auf der Insel. Deswegen müssten die Gäste den Schlüssel für ein Tor holen, das die Zufahrt
versperrt. Problem: Der Schlüssel hing an einem Brett mit den beiden Vereinswappen – am andern Regenufer. Gut, schwimmen mussten die Minstacher bei dem kühlen
Wetter nicht, das muteten die Chamerauer ihnen dann doch nicht zu. Aber ein Floß mussten sie sich bauen, wobei aber die Materialien gestellt wurden. Allerdings
lagen die unten beim Wasserrad und mussten erst geholt werden. Langsam wurde es dunkel, so dass sich die Minstacher sputen mussten.
Die beiden Schirmherrn Georg Braun und Michael Daiminger sowie FCC-Vize Alexander Kregiel und Festleiter Erich Babl durften sich noch sechs Helfer aus den Reihen
der Chammünsterer suchen – „de andern dürfen die zehn beraten oder a bloß blöd daherredn“ – und dann ging’s los. Sechs große
Blechtonnen, Balkenstücke, Bretter, Seile und Spanngurte sowie eine Handvoll Nägel lagen schließlich bereit und nun war die Frage, wie die Konstruktion ausschauen
sollte. Die Chamerauer Zaungäste schlugen zwei Reihen mit je drei Tonnen vor, doch die Minstacher entschieden sich für vier Tonnen in der Mitte und je eine zur
Stabilisierung an den Seiten, was sich als gute Lösung herausstellte. Die Abdeckbretter nagelten schließlich der Mich und der Alexander auf die Balken zwischen den
Fässern und dann wurde das Floß in die Fluten abgelassen, gesichert an einem langen Seil. Der Daiminger Basti und der Babl Andy stellten sich als Flößer bereit
und bald hatten sie die richtige Position auf dem Floß gefunden und paddelten relativ gerade zum Objekt der Begierde, dem Schlüsselbrett.
Triumphierend hielt Andy Babl den Schlüssel schließlich in die Höhe und dann wurde das Floß mit dem Seil zurückgeholt und der Schlüssel konnte an den Festleiter
übergeben werden. „Ich glaub, dass der Jubelverein die Aufgabe mit Bravour bestanden hat. Jetzt kann der FC Chamerau die Patenschaft übernehmen“,
stellte Heribert Irrgang fest und er besiegelte diese per Handschlag mit Erich Babl, der wiederum seine Überzeugung kundtat, dass mit so einem Patenverein wie dem
FC Chamerau das Fest nur bestens gelingen könne.
Weiter ging der Zug nun zu dem angekündigten Tor, das die Zufahrt versperrte, aber zum Glück passte der Schlüssel zu dem Vorhängeschloss und das Gittertor konnte
beiseite gehoben werden. Richtig schön empfingen die Chamerauer ihre Gäste, zuerst bildeten sie am Tor ein Spalier, durch das die FCCler unter rhythmischem
Klatschen der Hausherren marschieren durften, später begleiteten Flammenschalen den Weg zum Vereinsheim und Luftballontrauben in den jeweiligen Vereinsfarben
grüßten am Eingang und im Halleninnern. Dort kündigte Heribert Irrgang an, dass es nun Minstacher Bier vom Hintereder und Chamerauer Schweinsbraten vom Bäckerwirt
geben werde, bevor er dann noch ein paar Worte sagen wolle.
Das Schirmherrnbitten in Chammünster sei schon super gewesen, das Patenbitten heute in Chamerau werde es sicher auch. Sie vom FC Chamerau werden gute Paten sein und
zusammen mit den Minstachern dem Jubiläumsfest zum nötigen Schwung verhelfen, versprach er. Dank sagte er noch allen, die das Patenbitten vorbereitet hatten und
auch jetzt beim Ausschank oder als Bedienung halfen, besonders erwähnte er die beiden Bürgermeister von Chamerau, Stefan Baumgartner und Christian Glonner, die den
Verein in jeglicher Hinsicht unterstützten und auch in der Vereinsführung aktiv seien.
Festleiter Erich Babl zeigte sich überzeugt, dass die lange bestehende Freundschaft mit dem Patenverein FC Chamerau durch das Jubelfest neu belebt und noch
verstärkt werde. „Danke für alles, was ihr für uns macht’s.“ Auch er stellte den Chamerauern noch ein paar Minstacher vor, die für den FC von
Bedeutung sind, wie Stadtrat Josef Griesbeck oder Braumeister Georg Siegl, der ganz wichtig fürs FCC-Fest sei. Er freue sich auch, so Babl, dass Reinhard Wutz mit
nach Chamerau gekommen sei, der vor seinem Arbeitsunfall für den FC sehr viel getan habe, als er Skiabteilungsleiter war. Und Babl erhob sein Glas auf ein gutes
Gelingen des Jubelfestes.
Schließlich dankte Vizevorsitzender Alexander Kregiel den Chamerauern für die freundliche Aufnahme der Minstacher und war sich sicher, dass die beiden Sportvereine
ein schönes Fest in Chammünster erleben werden. Die Vorbereitungen seien fast fertig, jetzt könne man getrost der Festeröffnung entgegen sehen.
Lang wurde es an diesem Abend noch für einige, doch die meisten Minstacher wurden vom eigens gebuchten Bus in zwei Fuhren noch zu christlicher Zeit zurück nach
Chammünster gebracht, so dass auch die Chamerauer noch ein wenig Schlaf ergattern konnten. |